Tagebuch eines Mustangs TAG 4130

Anfang Oktober 2017 sollte sich meine Zukunft ändern. Da war ein Mensch der mir eine 2 Chance für ein neues Leben geben wollte. Zu dieser Zeit stand ich noch in einer Auffangstation in Oregon und das schon seit fast einem Jahr. Vieler meiner Freunde stehen da schon ewige Jahre und werden vielleicht auch dort ihr Leben verbringen müssen, wenn sich niemand für sie findet.

TAG 4130, das war ich in der Auffangstation – nur eine Nummer, nicht mehr und nicht weniger. Das was mich in der Zeit der Auffangstation stark gemacht hat war mein kleines Baby. Ich musste für sie da sein und ihr den Start in eine ungewöhnliche Welt erleichtern. Mittlerweile kommt sie ohne mich aus und ich hoffe so sehr, dass sie auch einen Menschen fürs Leben findet!

Ich kenne meinen Menschen noch nicht aber er hat mir bereits einen Namen geschenkt „Oregon’s Dark Amber“.

Januar 2018, es ist ein kalter Winter und das Futter wird knapp. Plötzlich tut sich etwas. Über 20 meiner wilden Freunde mich eingeschlossen werden durch abgesperrte, hohe, metallische  Gänge getrieben, direkt in einen riesigen Truck. Keiner wusste was da geschieht aber es musste etwas mit dem neuen Leben zu tun haben. Hatten meine über 20 Freunde auch eine neue Chance bekommen? Es war eine aufregende Reise aber wir verhielten uns ruhig und lauerten. Eine Reise die in Oregon beginnt und in Georgia erst einmal enden würde.

In Georgia angekommen werden wir erst einmal mit gutem Heu gefüttert und getränkt. Da ist eine Frau die sich unserer annahm und uns bis zu unserer Ausreise nach Deutschland begleiten sollte. Die anderen Menschen nannten sie Sandra. Sie war ist sehr lieb zu uns und lässt uns erst einmal etwas ankommen.

Nach einigen Tagen beginnt für einiger meiner Freunde ein komisches Spiel was wir nicht ganz nachvollziehen können. Sandra versucht geschickt und mit viel Ruhe an sie heranzutreten und den besagten „First Touch“ zu gewinnen. Auch ich bin bald dran. Ich bin allerdings sehr schüchtern und mache es den Menschen nicht ganz einfach. Sandra und ihre treuen Helfer müssen dies machen, damit wir die lange Reise über den Teich antreten können.

Sandra und ihr Team von Rackettown Mustangs haben uns alle so weit fit gemacht. Wir lassen uns führen, gehen mit Ihnen durch enge Gassen und gehen auf den Trailer. Jetzt gehen wir drei bis vier Wochen in Quarantäne und stehen unter Beobachtung des Veterinärs. Dies ist notwendig, damit wir ausreisen dürfen und keine Krankheiten mit einschleppen.

Wir haben Mitte April 2018, die letzten Trailer Übungen werden gemacht und dann beginnt die Reise zum Flughafen. Die Reise ist lang aber einigermaßen stressfrei. Die Flüge sind aufgeteilt, da wir nicht alle in einem Flug unterkommen und somit auch nicht die optimale „first class“ Betreuung gewährleistet ist. Als wir am Airport Frankfurt gelandet sind, geht es erst einmal in große geräumige Boxen und noch mal in Quarantäne für eine Nacht bis der Amtstierarzt uns alle gecheckt hat.

21. April 2018, einige meiner Freunde werden in verschiedenen Abständen aus ihren Boxen geholt und weggeführt. Was passiert da? Es werden immer weniger… Langsam werde ich unruhig, weil ich fast allein stehe. Dann öffnet sich auch meine Box und ich werde auch weggeführt. Ich bin etwas zögerlich weil es alles so ungewohnt ist und ich ganz allein bin. Plötzlich kommen wir an einen Trailer. Da soll ich wohl anscheinend einsteigen. „Immer noch nicht angekommen?“ denke ich mir. Und weigere mich erst in den Trailer zu steigen. Alle um mich rum sind still und strahlen Ruhe aus. Irgendwann überzeugt mich das Team der Animal Longe doch in den Trailer zu steigen.

Es ist schon spät und dunkel draußen. Aber es gibt Heu im Trailer und die Fahrt scheint nicht so lang zu sein. Ich stehe ganz ruhig und mümmel vor mich hin. Plötzlich halten wir an und der Motor geht aus. Die Vordertür im Trailer öffnet sich und vorsichtig kommt eine kleine Person zu mir die ich nicht kenne. „Hoffentlich tut sie mir nichts“, denke ich mir und schaue sie mit großen Augen und aufgeblähten Nüstern an. Sie bindet mich los und gibt ein Zeichen nach draußen. Jetzt geht die Klappe hinten auf und man bittet mich auszusteigen. Ich stehe wie festgewurzelt da und bewege mich kein Stück. Ich habe Angst und mir schmerzt mein ganzer Körper vor Anspannung der letzten Tage. Ausversehen kommt die kleine Person, die mich vorn hält aus Versehen mit dem Zeigefinger an meine Brust. Ich habe mich so erschrocken, dass ich plötzlich ganz schnell aus dem Trailer ausstieg. Ich bin noch sehr empfindlich was Berührungen angeht und das auch noch von Geschöpfen, die ich nicht kenne. Jetzt stehen vier Personen um mich herum und warten was passiert. Genau wie ich. Dann nimmt mich die Kleine mit in ein Gebäude und stellt mich in eine große Box mit Wasser und viel Heu. Soll das mein neues Heim sein? Bin ich denn ganz allein hier? Nein, da kommen von der anderen Seite vier neugierige Freunde an und begucken mich. Da bin ich etwas beruhigt und fresse das Heu. Jetzt bin ich müde und erschöpft Morgen sehen wir weiter….

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